Ägypten ForumForum ÄgyptenÄgyptenforumAegypten ForumÄgypten Community
Ägypten-Infos  |  Reiseberichte  |  Ägypten-Forum  
Ägypten Forum

 

 FAQFAQ   LexikonLexikon   SuchenSuchen   MitgliederlisteMitgliederliste   BenutzergruppenBenutzergruppen   RegistrierenRegistrieren 
 ProfilProfil   Einloggen, um private Nachrichten zu lesenEinloggen, um private Nachrichten zu lesen   LoginLogin 

Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Paradies
Gehe zu Seite 1, 2, 3  Weiter
 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Ägypten Forum -> Reiseberichte Ägypten
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
Alexander




Anmeldedatum: 11.05.2008
Beiträge: 84

BeitragVerfasst am: 28.12.2012, 20:55    Titel: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Paradies

Liebe Wüstenfreunde,

wie schnell doch die Zeit vergeht. Vor drei Wochen brach ich nach Ägypten auf. Die Oase Baharia war das Ziel. Von dort wollte ich in 16 Tagen eine Entfernung von 330 Kilometer zur Oase Dakhla zurücklegen. Diesen Reisebericht widme ich Stefanie und ihrem Mann Mohammed, ohne deren Hilfe und Organisation dieses einmalige Wüstenabenteuer in dieser Form nicht zustande gekommen wäre.

Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Paradies

Ich habe lange über den richtigen Titel dieses Reiseberichtes nachgedacht. Auf der einen Seite lag der fast tägliche Schmerz, das Gewicht der zu tragenden Last, tägliche Hitze, nächtliche Kälte und keine oder kaum Hygiene für mehr als zwei Wochen.
Auf der anderen, der paradiesischen Seite die grandiose Landschaft, das Eins-Sein mit der Natur, die unvergleichbare Gastfreundschaft der Menschen in den Oasen, die diese Wüstenwanderung zu einem unvergesslichen Erlebnis machen sollte.

Ausgesetzt
Stefanies Sohn Jussef begleitete mich über den Berg, der uns von dem Ort trennte, an dem das Unvermeidliche stattfinden sollte. Ein Berg mit steilem und sandigem Anstieg als Test dafür, was mich in den nächsten 15 Tagen erwarten würde.

Von der Spitze des Berges konnte man die Ausläufer der Schwarzen Wüste erkennen. Eine Wüste geprägt durch alte Vulkankegel aus längst vergangenen, aktiveren Zeiten. Den Namen gab der Wüste die Farbe der Steine, die sich durch den Einfluss von Wind, Wetter und chemischen Reaktionen schwarz gefärbt hat. Die Schwarze Wüste ist so faszinierend fremd, dass man sich auf einem fernen Planeten versetzt fühlt. Doch auch orange und andere, durch Wind und Wetter geformte Steine findet man in dieser einmaligen Wüste.









Auf der anderen Seite des Berges warteten bereits Lena, Stefanies Tochter und weitere Familienmitglieder, die mir in einer von Palmzweigen geschützten Hütte meine erste Ration Wasser bereitgestellt hatten. Nach einem ausgiebigem Abschied fuhren sie zurück in die Oase. Irgendwann waren die Rücklichter der Fahrzeuge in der Dunkelheit erloschen. Ich war alleine mit meinem Rucksack, Verpflegung und 14 Liter Wasser.

Ich bereitete mir mein Nachtlager und konnte kaum den nächsten Morgen erwarten.

Das grosse Abenteuer hatte begonnen.



Fortsetzung folgt
_________________
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.
http://www.wuestenschiff.de
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Aegypten Urlauber







Verfasst am:     Titel: Urlaubsangebote

Nach oben
Alexander




Anmeldedatum: 11.05.2008
Beiträge: 84

BeitragVerfasst am: 28.12.2012, 20:56    Titel:

Der erste Tag

Am nächsten Tag war ich um 2:00 bereits hell wach. Nicht nur weil ich es nicht erwarten konnte, dass es endlich in Richtung Süden geht. Der abnehmende Halbmond schien so hell, dass an Schlaf nicht mehr zu denken war. Daher brach ich mein Nachtlager ab und begann meine Wüstenwanderung.

Eine Wüstenwanderung, besonders von dieser Länge und Dauer macht eine vernünftige Ausrüstung notwendig. Nicht nur GPS, Kompass und Kartenmaterial gehören zum notwendigen Equipment. Ein Satellitentelefon ist die Voraussetzung, um im Notfall Hilfe herbeiholen zu können. Stefanie hatte klare Regeln aufgestellt, von denen nicht abgewichen wurde. Ich meldete mich jeden Abend kurz per Satellitentelefon. Ich rief einmal kurz an, sodass Stefanie wusste, dass ich ok bin. Ich sollte einen zweiten zusätzlichen Anruf absenden, wenn ich eines der sieben Wasserdepots erreicht hatte. Damit war in etwa festzustellen, wo ich mich derzeit befand. Sollte ich an einem Abend kein Signal von mir geben, auch nur deshalb, weil ich es vergessen hatte und ich sonst nicht per SMS reagierte, dann würde Stefanie eine Suche initieren. Damit war eine ausreichende Sicherheit gewährleistet.




Da mein Kurs direkt Richtung Süden ging, bot sich das Wintersternbild Orion zur Navigation an. Der Orion zeigt schön die Nord/Südrichtung an, sodass ich nicht allzu oft das GPS bemühen muss. Der Mond leuchtete das Terrein so gut aus, dass ich jeden Stein und Bodenunebenheit gut erkennen konnte.

Mein Weg führte mich durch eine wunderschöne Landschaft mit Bergen und bizzar geformten Steinen und Strukturen.

Morgenstimmung über der Schwarzen Wüste, der Sahara as-Sauda






Sand, Wind und Wetter haben es geschafft, Boden und Steine künstlerisch zu formen. Ob kleine Pilze, Kartoffelknollen oder abstrakte Strukturen. Man findet unzählige verschiedene Gebilde.









Mit dem zunehmenden Licht der Morgendämmerung offenbart die Wüste immer mehr ihre Schönheit.







Fortsetzung folgt
_________________
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.
http://www.wuestenschiff.de
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Alexander




Anmeldedatum: 11.05.2008
Beiträge: 84

BeitragVerfasst am: 28.12.2012, 20:57    Titel:

Kurz vor Mittag erreiche ich ein Gebiet...



...das in Parzellen unterteilt wurde. In den Gräben liegen teilweise dicke Schläuche.




Schnell wird mir klar warum. Man hatte hier begonnen, landwirtschaftliche Nutzflächen zu errichten. Ich treffe hier auf den Verwalter und zwei Arbeiter, die versuchen, eine Wasserpumpe zu reparieren. Von dort wird das Wasser über ein Röhrensystem an die Pflanzungen geleitet. Es werden Olivenbäume, Palmen und verschiedene Obstsorten angebaut. Der Verwalter lädt mich ein, mit ihm durch seinen Garten zu laufen und die Bewässerung zu überprüfen. Ich darf sogar die Wassersteuerung übernehmen. Ein System von Wasserhähnen, mit deren Hilfe der Wasserfluss gesteuert wird. Anscheinend habe ich meinen Job nicht schlecht erledigt, denn nach getaner Arbeit werde ich auf eine Runde Tee eingeladen. Cool







Harte Arbeit macht schläfrig Cool Daher verabschiede ich mich und suche mir einige Kilometer südlich ein schattiges Plätzchen, unter dem ich mein Mittagspause verbringe Wink




Fortsetzung folgt
_________________
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.
http://www.wuestenschiff.de
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Alexander




Anmeldedatum: 11.05.2008
Beiträge: 84

BeitragVerfasst am: 28.12.2012, 20:58    Titel:

Das Schattenparadoxon
Obwohl es mehr als ausreichend Berge und Dünen in der Wüste gibt, findet man nicht genau so viel Schatten. Die Sonne steht um die Mittagszeit relativ senkrecht. Da die meisten Berge und Hügel eine Kegelform besitzen, werfen sie kaum Schatten. Für diese schattenlosen Gegenden muss mein Rucksack als Schattenspender herhalten. Er wirft nur einen kleinen Schatten was aber ausreichend ist, um einen kühlen Kopf zu bewahren.











Ein letzter Blick zurück bevor es über einen kurzen aber steilen Aufstieg auf eine Anhöhe geht. Die Kletterei würde normalerweise kein Problem darstellen. Es war aber schon später Nachmittag und meine Kräfte schienen schon fast aufgebraucht zu sein.



Immer wieder stosse ich auf fastzinierend geformte Steine. Ein Stein aus dem Wind und Sand eine Schüssel herausgefräst hatten.



Der kräftezehrende Anstieg wird mit einer Bilderbuchaussicht belohnt. Leicht abfallendes Terrain. Sanfte Hügel, die der Wind mit Wüstensand bestäubt hatte. Dahinter eine weite Ebene mit einem Abbruch, der den Rand eines Plateaus markiert. Ich sitze dort oben, starre in die Ferne und vergesse dabei die Zeit.









Ich beschliesse den Tag in einer Traumlandschaft und errichte mein Nachtlager.



Fortsetzung folgt
_________________
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.
http://www.wuestenschiff.de
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Alexander




Anmeldedatum: 11.05.2008
Beiträge: 84

BeitragVerfasst am: 28.12.2012, 20:59    Titel:

Gastfreundschaft

Am frühen Morgen erreiche ich die Oase el Hayz. Mit ihren zahlreichen Quellen und Gärten bietet sie eine gute Gelegenheit, meine Wasservorräte zu ergänzen. Die erste Wasserstelle ist schnell entdeckt. Das Wasser ist klar und sauber und schmeckt erfrischend. Weit und breit ist niemand, den ich fragen könnte, also fülle ich meine Flaschen.








In der Wüste stösst man auf vielerlei Spuren. Spuren, die offensichtlich den Verursacher verraten. Andere Spuren hingegen geben Rätsel auf. Hier hat eine Schlange einen deutlichen Abdruck hinterlassen.



Die Schlange wird wohl nicht für diesen Tod verantwortlichsein. Ist es einfach verendet, was war die Ursache. Ich bin mir sicher, dass mich zwischen den Oasen nicht das gleiche Schicksal ereilen wird.



Am Vormittag suche ich im Schatten eines verlassenen Gebäudes etwas Ruhe. Kaum habe ich meinen Rucksack abgelegt, erscheint auch schon der erste Oasenbewohner. Er fragt mich, wo ich herkomme und wohin mein Weg mich führt. Als ich ihm erkläre, dass ich von Baharia nach Dakhla zu Fuss unterwegs bin, hebt er beide Daumen nach oben. Er erkundigt sich, ob ich ein Telefon dabei hätte. Als ich das bejahe ist er beruhigt und zieht mit seinem Esel weiter.

Ich bin nach meiner Pause gerade mal zwei Kilometer gegangen, da winkt mir ein alter Mann zu und fordert mich auf, zu ihm zu kommen. Auch er erkundigt sich, wo mein Weg mich hinführt. Als ich ihm die gleiche Antwort wie dem Mann mit dem Esel gebe, schaut er besorgt. Er hebt meine beiden Feldflaschen, um zu prüfen, ob sie auch wirklich gefüllt sind. Jede Flasche fasst 2,2 Liter. Der Mann deutet mit einer Geste an, dass er mich zum Essen einladen will. Ich folge ihm in sein Haus. In einem kühlen Raum, den der Wind durch die offenen Fenster wohl temperiert hält, bittet mich der alte Mann Platz zu nehmen. Ich lege meinen Rucksack ab und ziehe meine Schuhe aus, bevor ich eintrete. Anscheinend mache ich auf den Mann einen erbärmlichen Eindruck, denn er deutet mir an, dass ich mich waschen solle. Wir gehen vor das Haus, vor dem ein Eimer mit frischem Wasser steht. Er deutet mir an auf die Knie zu gehen und mich nach vorne zu beugen. Der Mann schöpft Wasser aus dem Eimer und giest es über meinen Kopf. Der Mann hält mir ein Stück Seife hin, mit dem ich meinen Kopf einseifen soll. Danach duscht er mich ab, gibt mir ein Handtuch, mit dem ich meine Haare trockne. Zum Schluss gibt er mir einen Kamm, mit dem ich meine Haarpracht wieder ordne und einen Spiegel, in dem ich das Ergebnis bestaunen kann.

Nun gibt es Essen. Mir wird eine Art Bratkartoffel aufgetischt. Der Gastgeber weiss gar nicht, welchen Gefallen er mir damit tut Cool Dazu gibt es weisse Bohnen und Brot. Ein einfaches, aber sehr schmackhaftes Gericht. Wir versuchen uns weiter zu unterhalten. Mein Gastgeber spricht kein Englisch und ich nur wenige Worte Arabisch. Mit etwas Mimik und Gestik und etwas Phantasie klappt es ganz gut. Ich erzähle ihm von meiner Wanderung und das ich GPS und ein Satellitentelefon dabei habe. Für Verpflegung und Wasser ist auch gesorgt, was den Mann sichtlich beruhigt.

Zwischenzeitlich traf ein Nachbar ein. Der Hausherr erzählt ihm von mir und meinem Vorhaben. Der Nachbar erzählt mir, dass er mit meinem Gastgeber vor einiger Zeit von Baharia nach Farafra gelaufen sei. Daher wuchs die Begeisterung der beiden Männer für mein Vorhaben. Zur Unterhaltung gab es den traditionellen Tee.

Irgendwann verabschiedete ich mich. Wir winkten uns zu, bis wir uns aus den Augen verloren hatten...

Also mache ich mich weiter auf den Weg Richtung Süden. Ich hatte nicht einmal zwei Kilometer zurückgelegt, da hörte ich lautes Rufen. Ein Mann stand etwas 100 Meter mit seiner Familie entfernt von mir entfernt und deutete mir an, näher zu kommen. Der Antwort auf die Frage, wo ich denn herkomme und wo ich hin gehe folgte die Einladung zum Tee Wink

Nachdem ich mich wieder verabschiedet hatte und einige Kilometer gelaufen war, ja, ihr ratet richtig. Freundliches Zurufen und die Einladung in ein kleines kühles Häuschen, wo mir Essen und Tee angeboten wurde.

Ich war schmutzig. Vermutlich sah ich nicht gerade vertrauenserweckend aus. Aber ich wurde eingeladen und war Gast dieser besonderen Menschen. Würde bei uns zu Hause jemand mit meiner Erscheinung an die Türe klopfen, würde mir die Türe wahrscheinlich erst gar nicht geöffnet.

Ich hatte schon Bedenken, dass ich Probleme mit meinem Zeitplan bekommen würde. Smile Aber unternehmen wir nicht diese Reisen gerade darum, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen und sie kennen zu lernen?



Der Mittag war heiss, doch ein Wind mit Sturmböen sorgte dafür, dass die Temperaturen erträglich blieben. Eine gute Gelegenheit, Schatten zu suchen und für den Nachmittag auszuruhen.








Die Sonne stand nur noch eine Handbreit über dem Westhorizont. Zeit sich ein Nachtlager zu suchen. Bei meiner abendlichen Kontrolle meiner Wasservorräte musste ich feststellen, dass eine PET Flasche beschädigt war und sich 1,5 Liter Wasser in meinen Rucksack ergossen hatten. Der Rucksack und Inhalt trockneten schnell im Wind. Der Wasserverlust war auch keine Problem, da ich immer genügend Reserven mitführe. Trotzdem wollte ich den Verlust ergänzen. Das nahm ich mir aber für den nächsten Tag vor. Ich befand mich immer noch in der Nähe der Oase und Wasserversorgung war kein Problem.



Auf meinen Wanderungen traf ich häufig auf eigenartige Spuren. Sie waren keinem Mensch und keinem Tier zuzuordnen. Ich rätselte lange, bis ich die Lösung fand: Der Wüstenwind spielte mit einem Ast und trieb ihn durch die Wüste, wodurch Kilometer lange Spuren entstanden sind.



Gegen 17:00 Uhr geht die Sonne unter. Es bleibt noch Zeit, mein tägliches Lebenszeichen bei Stefanie per Satellitentelefon abzusetzen, mein Tagebuch zu schreiben und Vorbereitungen für den nächsten Tag zu treffen. Dann schlüpfe ich in den Schlafsack, denn sobald die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist und der frische Wind über die Sandebenen fegt, gehen die Temperaturen relativ schnell zurück.



Fortsetzung folgt
_________________
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.
http://www.wuestenschiff.de
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Alexander




Anmeldedatum: 11.05.2008
Beiträge: 84

BeitragVerfasst am: 28.12.2012, 21:00    Titel:

Nächtlicher Besuch

An diesem kühlen Morgen hatte ich es besondes schwer, aus dem warmen Schlafsack zu schlüpfen. Ich wollte aber die kalten Morgenstunden nutzen, um Vormittags schon einiges an Strecke gut zu machen. Also raus aus den Federn. Mit dem Licht der Taschenlampe orientiere ich mich im Dunkeln. Der Lichtkegel fällt auf eine grosse Spinne, die es sich in meinem Rucksack über die Nacht bequem gemacht hat. Shocked Die Spinne muss weg. Ich katapultiere das nette Tierchen etwa zwei Meter von mir weg. Sie kommt zurück und setzt sich genau auf den gleichen Platz. Ich packe sie und werfe sie einige Meter weiter. Sie kommt zurück und setzt sich genau auf den gleichen Platz. Crying or Very sad Wieder packe ich sie am Körper. Diesesmal krallt sie sich am Rucksack fest. Ich lasse sie los. Die Spinne lockert ihren Griff und ich kann sie erneut greifen. Ca. 20 Meter von meinem Platz setzte ich sie ab. Ich gehe zu meinem Lager zurück. Die Spinne hinter mir her. Rolling Eyes Das Tierchen ist mir zu anhänglich. Ich schlage einen Zick Zack Kurs ein, dem auch die Spinne folgt. Irgendwann wird es ihr anscheinend zu dumm und sie gibt auf.



Wer wohl in dieser Höhle wohnt? Vielleicht eine dieser Spinnen, die ihren Opfern eine Falle stellt und sie dann in ihre Höhle zieht?



Bei der nächsten Möglichkeit versuche ich das Wasser, das ich durch die defekte Flasche verloren hatte, zu ersetzen.
Ich schleiche mich nicht an, sondern mache mich durch Rufen bemerkbar. Ein verschlafener junger Mann kommt aus dem Haus. Ich hatte ihn offensichtlich geweckt Embarassed Ich frage ihn, ob ich an der Quelle meine Wasservorräte auffüllen darf. Zunächst führt er mich in das Haus, wo noch einige andere Bewohner sich gerade aus den Betten bemühen. Ich werde zu Tee und Frühstück eingeladen. Nach dem Essen fängt einer der hilfsbereiten Jungs an, meine Flaschen aufzufüllen.



Langsam nähere ich mich dem Ende der Oase.



Eine Piste kreuzt meinen Weg. Zwei LKW fahren permanent hin und her, um etwas, was oben am Plateau abgebaut wird, von dort herunter zu fahren.







Ich ändere meine Richtung und Peile das erste Wasserdepot an, das sich in ca. 30 km Entfernung befindet. Ich wähle in meinem GPS mit GOTO den entsprechenden Waypoint aus. Das GPS gibt mir eine Entfernung zur Wasserstelle von 342 km an. Shocked Ich wiederhole die Auswahl. Gleiches Ergebnis. Was war geschehen? Zu Hause hatte ich die Koordinaten der Wasserstellen in den Oziexplorer eingegeben und die Wasserstellen mit Wasser1, Wasser2, usw. bezeichnet und die Route auf mein Garmin GPS Plus II geladen. Was ich nicht bedacht hatte, war die Tatsache, dass mein GPS nur Wegpunktnamen mit maximal sechs Zeichen akzeptiert. Demzufolge schnitt das GPS die letzte Stelle ab, so dass ich in der Route nun sieben mal den Waypoint "Wasser" hatte. Das GPS verträgt aber nur jeden Namen ein einziges Mal. Das hat nun das GPS vollkommen verwirrt. Ich musste also die Wasserstellen unter anderen Bezeichnungen nochmal ins GPS eingeben.
Ich verifizierte die Koordinaten nochmals in der Karte. Diesmal zeigte das GPS die richtige Entfernung an.









Die Strecke führt weiterhin dem Abbruch eines Plateaus entlang. Noch wechselt sich saftiges Grün mit den Okkerfarben der Wüste ab.






Fortsetzung folgt
_________________
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.
http://www.wuestenschiff.de
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Alexander




Anmeldedatum: 11.05.2008
Beiträge: 84

BeitragVerfasst am: 28.12.2012, 21:02    Titel:

Wüstenlandschaften sind beeindruckend. Besonders in den Abendstunden...



... werden die Farben intensiver. Schatten spielen mit der Landschaft und geben einen ganz besonderen Kontrast



Die Hügel im Hintergrund kündigen ein Plateau an. Ich könnte den Plateauausläufer umgehen, was mich wohl knapp einen halben Tag kosten würde. Mich treibt aber die Neugierde dort hoch und bin gespannt, was es dort oben zu sehen gibt. So fällt die Entscheidung, den geraden Weg über das Plateau zu nehmen.



Früh beginnt der Anstieg. Es ist steil und die Abhänge sind mit lockerem Sand bedeckt. Oben erschöpft angekommen dreh ich mich um, um die zurück gelegte Strecke zu begutachten. Der Anblick lässt meinen Atem stocken. Die Aussicht, die hier oben geboten wird, ist unbeschreiblich. Die Fernsicht nahezu unendlich. Weit am Horizont Berge, dazwischen eine weite Sandebene. Man vergisst hier oben die Zeit, man möchte sie anhalten, um den Anblick so lange wie möglich geniessen zu können.





Das Plateau selbst ist Bretteben. Die einzigen Unebenheiten bilden einige Steine. Es gibt kein Leben dort oben. Keine Tiere, keine Pflanzen.



Nur ein verdorrter Strauch, den der Wind durch die Wüste gejagt hatte, bietet die einzige Abwechslung. Diese Öde ist beeindruckend.




Auf der anderen Seite des Plateaus wird die Aussicht nochmal um ein vielfaches getoppt. Sie ist einfach nur schön und atemberaubend. Fotos vermitteln leider nur einen Bruchteil dessen, was das menschliche Auge sieht. Es fehlt der Wind, die Wärme und die Emotionen, die durch so einen Anblick hervorgerufen werden.









Diese Panoramaaufnahme zeigt fast die Gesamtansicht. Zur Grossansicht bitte auf den Link klicken.

http://www.wuestenschiff.de/alexeg2012/panorama_plateau.jpg

Fortsetzung folgt
_________________
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.
http://www.wuestenschiff.de
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Alexander




Anmeldedatum: 11.05.2008
Beiträge: 84

BeitragVerfasst am: 28.12.2012, 21:03    Titel:

Der Abstieg vom Plateau erfolgt problemlos über die am Abbruch angelagerten Sandfelder. Von der beeindruckenden Mondlandschaft geht es hinunter in eine wieder etwas sandigere Landschaft.








Es ist später Vormittag und es weht immer noch kein Wind. Es wird immer wärmer und die Luft steht still. Ich komme aber immer noch gut voran. Keine Konditionsprobleme und die Stimmung ist super. Nach acht Tagen anspruchsvollem Laufpensum merke ich aber trotzdem die Erschöpfung. Liegt es daran, dass ich zu wenig esse oder einfach an der Tatsache, dass mein Tag heute schon um 2:30 Uhr begann?




Die Uhr zeigt die Mittagszeit an, aber es gibt weit und breit keinen Schatten, unter dem ich mir etwas Ruhe gönnen könnte. Die Füsse schmerzen. Ich vermute, dass sich die ersten Blasen gebildet haben. Ausserdem schmerzt der Rücken. Besonders die Bandscheiben beschweren sich über die ständige Last. So geht es weiter auf der Suche nach einem schattigen Plätzchen.



Gegen 14:30 ist es dann soweit: Schatten! Nicht viel, aber genug, um sich lang auf dem Boden breit machen zu können. Und es ist an dieser Stelle kühl. Erfrischend kühl. Wink Ich werfe die Last des Rucksacks ab und breite mich im Schatten aus. Zunächst kontrolliere ich die Füsse. Alleine das Ausziehen der schweren Wanderschuhe ist eine Erholung. An verschiedenen Stellen haben sich kleine Blasen gebildet. An zwei Zehen, am Fussballen und grosse Blasen an den Fersen. Ich öffne die Blasen, indem ich kleine Löcher in sie steche. So kann das Wasser entweichen, die Haut schützt aber weiter die Wunde. Zusätzlich bringe ich Pflaster an und stülpe mir noch ein weiteres paar Socken über. Nach der Wundversorgung liege ich nur da und entspanne. Bald bin ich eingeschlafen und merke nicht, wie der aufkommende Wind verspätet für Kühlung sorgt.




Nach der verdienten Pause, geht es mir wieder besser. Ich fühle in den Füssen keinen Schmerzen mehr. Ich komme wieder gut voran.



Sand und Fels wechseln sich wieder ab. Die Schatten werden wieder länger und kündigen den nahenden Abend an. Vier Kilometer liegen aber noch vor mir und mindestens 20 Kilometer möchte ich pro Tag schaffen. Es ist also noch zu früh, um sich auf Nachtlagersuche zu begeben.





Endlich ist das Tageswerk vollbracht. Mit blick auf ein weiteres Plateau richte ich mein Nachtlager in Richtung Süden aus. Das erste Wasserdepot ist noch 10 Kilometer entfernt. Entsprechend meiner Laufleistung der vergangenen Tage erwarte ich, dass ich dort morgen spätestens gegen 10:30 eintreffen werde. In meinen Wasserflaschen habe ich noch einen Vorrat von 4,5 Liter. Mehr als genug Wasser für einen Tag.
Schnell bricht die Nacht über der Wüste herein. Nachts kann man ein Sternschnuppenfeuerwerk am Himmel beobachten. Einige Meteoriten sind so gross, dass sie einen langen, mehrere Sekunden sichtbaren Schweif hinter sich herziehen.



Fortsetzung folgt
_________________
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.
http://www.wuestenschiff.de
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Alexander




Anmeldedatum: 11.05.2008
Beiträge: 84

BeitragVerfasst am: 28.12.2012, 21:05    Titel:

Begegnungen

Wie jeden Morgen geht es früh aus den Federn bzw. aus dem Schlafsack. Der Mond nahm immer mehr ab und er würde mir nur noch für drei Tage zusätzliches Licht geben, was mir einen frühen Start erlauben würde. Danach wäre wieder Neumond. Das heutige Highlight: Auffinden des ersten Wasserdepots. Wird es klappen, werde ich es finden? Wo und wie hat Mohammed den Kanister versteckt? In 10 Kilometern würde ich mehr wissen.



Heute geht es besonders gut voran. Der Rucksack ist leicht, denn alle Wasserflaschen sind leer. Nur meine drei Feldflaschen sind bis zum Rand gefüllt. Sollten sie zumindestens. Shocked Eine Feldflasche, wie sie die US Army verwendet fühlt sich sehr leicht an. Zu leicht. Ich bemerke, dass der Deckel der Flasche einen Riß hat und aus der Flasche fast alles Wasser gelaufen war. Was war das Problem? Dreht man den Deckel der Feldflasche zu fest zu, sprengt es einfach den Deckel. Das Flaschenhalsgewinde ist zu lang und man läuft Gefahr, dass man den Deckel zu fest anzieht. Das ist hier geschehen. Der Deckel war nun ohne den oberen abschliessenden Teil. Um die Flasche dicht zu bekommen, legte ich eine mehrfach gefaltete Plastikfolie auf den Flaschenhals und drehte dann den Verschluss darüber. Die Flasche war wieder dicht und ich konnte sie weiterhin nutzen.




Das erste Wasserdepot, gefunden ohne Probleme. Mohammed hatte präzise gearbeitet. Die Koordinaten stimmten fast auf den Meter genau. Mohammed hatte den 10 Liter Kanister in eine Einbuchtung eines kleinen Hügels gestellt und ihn mit Steinen und Steinplatten verschlossen. Damit ich das Versteck besser erkenne, hatte Mohammed die Hauptsteinplatte mit der Rückseite nach Aussen gestellt. Alle Felsen und Steine sind hier grau. Die Rückseite der Steinplatte war aber braun. Für jemanden, der die Augen offen hält und einen Blick für die Natur besitzt ist es leicht, den Unterschied zu erkennen.




Das Wasser ist klar und frisch. Ich lasse es mir nicht nehmen, den einen oder anderen tiefen Schluck direkt aus dem Kanister zu nehmen. Für die Flaschen war immer noch genu da. Nachdem ich meine Wasservorräte ergänzt hatte, versteckte ich den Kanister wieder so, wie es Mohammed getan hatte. Der Rucksack war nun wieder sechs Kilo schwerer, was sich beim Tragen des Gewichtes deutlich bemerkbar machte. Nicht nur der Körper leidet unter dem Gewicht. Am Rucksack bricht eine Kunststoffschnalle an einem der Träger, mit der man die Länge des Trägers verstellen kann. Ich verknote kurzerhand den unteren und oberen Teil des Trägers und löse damit das Problem.




Aufgrund des wieder angewachsenen Gewichts lege ich wieder häufiger Pausen ein. Die Sonne scheint warm, aber der Wind, der heute ständig bläst, verschafft etwas Kühlung. Seit fünf Tagen weht der Wind aus nördlichen Richtungen. Das hat zwar den Vorteil, dass ich nicht gegen heftige Windboen, soweit sie auftreten ankämpfen muss. Der Wind wird aber durch den Rucksack abgeblockt, sodass ich den erfrischenden Wind nur spüre, wenn ich mich umdrehe und in den Wind stelle.



Manchmal, mit etwas Glück, gibt es Schatten. Auch wenn es sich dabei nur um eine von unbekannten errichtete Steinmarkierung handelt.



Weit von mir, in etwas 1,5 - 2 Kilometer Entfernung erkenne ich ein Fahrzeug, einen Geländewagen. Als er auch mich erkannt hatte, steuert er direkt auf mich zu. Es handelte sich dabei um einen lokalen Führer, der Touristen durch die Wüste fährt. Das Fahrzeug hält an.
Frage des Beifahrers:

Are you lost? Meine Antwort: No!
Why are you doing this? Ich versuchte gerade, mir eine Erklärung zurechtzulegen, als gekichere aus dem Fahrzeuginneren herausdröhnt. Drei junge Frauen amüsierten sich offensichtlich über mich, diesen komischen Wüstenwanderer. Über diese Unterbrechung war ich aber ganz dankbar, denn ich hatte in diesem Moment keine grosse Lust, über Sinn und Unsinn des Wüstenwanderns zu philosophieren. Der Beifahrer war aber offensichtlich noch nicht zufrieden, sodass er seine Fragerei fortsetzte:

Do you have telephone? - Yes
Do you have GPS? - Yes
Do you need food? - No
Do you need water? - No

Meine Antworten konnten seine Skepsis im höchstenfalle etwas besänftigen. Ausräumen konnte ich sie wahrscheinlich nicht. Er stellte keine weiteren Fragen mehr. Dafür drang immer mehr gekichere aus dem Hinterteil des Fahrzeuges. Wir verabschiedeten uns und der Wagen setzte seine Fahr fort. Dies war übrigens die einzige Begegnung während meiner Wanderung. Ich bin zwar nicht gerade eine menschenscheue Person. Ich war aber darüber froh, für mich alleine bleiben zu können.



Manchmal gibt es Schatten. Aber nicht immer passt man darunter Smile







Die letzten fünf bis sechs Kilometer eines jeden Tages nehmen kein Ende. Es sind die schwersten Kilometer. Besonders, wenn der Rucksack wieder gefüllt ist. Immer wieder schaue ich auf das GPS und ich kann es nicht glauben, dass ich seit dem letzten Mal gerade 500 oder 600 Meter geschafft habe. Häufig bleibt auch am Anbend kurz der Wind weg oder es gibt keinen Schatten, in dem man sich kurz ausruhen könnte. Jeden Abend die gleiche Tortur. Die Füsse schmerzen, der Rücken schmerzt. Aber es muss weiter gehen. Es gibt keine Aufgabe! Irgendwann erreiche ich mein Tagesziel. 20 Kilometer sind das Minimum. Es gibt aber auch Tage, an denen schaffe ich 22 oder 23 Kilometer.





Wenn ich dann den Rucksack absetzen und die Matte ausbreiten kann, dann weiss ich, für heute ist es geschafft. Zunächst errichte ich mein Nachtlager. Eine gewisse Routine hat sich schon entwickelt. Feldflaschen für den nächsten Tag auffüllen, mein abendliches Lebenszeichen an Stefanie per Satelliten Telefon, heute sind es sogar zwei Signale an Stefanie, da ich heute das Wasserdepot gefunden hatte. Danach lege ich gleich die grobe Marschrichtung für den nächsten Tag fest, damit ich im Dunkeln nicht lange suchen muss. Ich führe jeden Tag ein Tagebuch, in dem ich Ereignisse und meine Gedanken festhalte. Danach erkundige ich noch etwas die Umgebung, sofern es meine Füsse zulassen. Ansonsten ziehe ich einfach meine Wanderschuhe aus und liege da, lasse meinen Blick über die endlosen Sandeben gleiten. Ich bin alleine mit mir und meinem Gedanken, was mir eine tiefe Zufriedenheit gibt.




Fortsetzung folgt
_________________
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.
http://www.wuestenschiff.de
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Alexander




Anmeldedatum: 11.05.2008
Beiträge: 84

BeitragVerfasst am: 28.12.2012, 21:06    Titel:

Ich weiss nicht, wieviele Stunden ich an diesem Plateau Abbruch entlang gelaufen bin. Irgendwie hatte ich das Gefühl, als würde dieser Endzipfel des Plateaus mit mir mitlaufen. Es war eine Perspektive, die zu trügen schien. In der Wüste scheint es, dass Entfernungen relativ sind. Ich verschätze mich immer wieder.






Das Gebiet, dass ich an diesem Tag durchstreife, wirkt auf mich wie eine Mondlandschaft. Trocken, viele Hügel, nicht einmal ein vertrockneter Zweig. Die Landschaft ist aber sehr interessant und Abwechslungsreich. Und es gibt Schatten, jede Menge Schatten an diesem heissen Tag, an dem das Termometer auf 44 Grad in der Sonne klettert.





Am frühen Nachmittag werfe ich alles Gewicht von mir ab und halte mein obligatorischen Nickerchen im Schatten Wink Es ist schön und erholsam, nach den ersten 10 Tageskilometern alle Vier von sich zu strecken, die Landschaft zu beobachten und irgendwann ist es dann so weit. Ich versinke in Gedanken und irgendwann gehen die Gedanken ins Träumen über.





Nicht jeder, der die Wüste besucht, kehrt aus ihr wieder zurück. Auf meinem Weg finde ich immer wieder tote Tiere. Besonders Vögel scheinen sich zu weit in die Wüste zu wagen.

Ein Spatz und eine grosse Heuschrecke...



...noch ein Vogel und eine Taube, die in einer Mulde liegt. Entstand die Mulde durch den Absturz, erlebte sie hier ihren Todeskampf, oder wollte ein anderes Tier die Taube vergraben, um sie vor anderen Räubern zu vestecken? Ich weiss es nicht.



Zwei grössere, schon sekelettierte Vögel. Einer macht einen skurilen Eindruck auf mich. Er leigt auf dem Rücken und streckt seine Krallen nach oben. Einer der Vögel liegt neben einem meiner Wasserdepots. Ein Omen? Ich bin nicht Abergläubisch.












Der Horizont verrät, das morgen sich die Landschaft ändern wird. Weit hinter den Bergen erkenne ich die ersten Dünen.









Fortsetzung folgt
_________________
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.
http://www.wuestenschiff.de
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Alexander




Anmeldedatum: 11.05.2008
Beiträge: 84

BeitragVerfasst am: 28.12.2012, 21:07    Titel:

Der siebte Tag

Irgendwie komme ich heute nicht aus den Federn. Da der Mond jeden Tag später aufgeht, verlagert sich auch meine "Aufwachphase" entsprechend. Um 4:00 weckt mich sein immer noch grelles Licht. 15 Minuten gebe ich mir noch, bevor ich aus meinem Schlafsack krieche und das Lager abbreche. 5 Kilometer sind es noch bis zum zweiten Wasserdepot, dass ich im Morgengrauen erreichen werde. Wie das erste, hat es Mohammed in einem Fels mit Steinen und Platten versteckt. Das Wasser ist eiskalt und erfrischend, anders als das, was sich unter Tags in den Feldflaschen aufwärmt. Es bleibt sogar noch etwas Wasser übrig für die Morgentoilette.



Von dem Hügel hat man eine gute Übersicht über die Landschaft, über der sich immer mehr die Nacht zurück zieht. Ich warte...





...bis die Sonne aufgeht.



Unmittelbar nach dem Wasserversteck fangen die Dünen an. Aber zuvor...





...fülle ich noch meine Flaschen auf. Den Kanister stelle ich zurück in das Versteck.






Diese Dünen, die ich überqueren muss, geben schon einen kleinen Vorgeschmack auf die nächsten Tage. 20 - 30 Kilometer lange Dünenketten und jungfräuliche, unberührte Sandebenen liegen vor mir. Eine Traumlandschaft.



Der Dünenaufstieg ist anstrengend. Plötzlich wechselt der harte Sanboden mit lockerem Weichsand ab. Mit dem zugeladenen Gewicht im Rucksack eine gute Morgengymnastik Cool Dazu kommt noch der fehlende Wind, der wie ich wohl heute verschlafen hat.







Am späten Vormittag bietet es sich gerade zu an, eine Pause einzulegen. Die Sonne verteilt ihre Wärme schon kräftig über die Dünenlandschaft. Das schattige Plätzchen hatte die Sonne noch nicht erreicht und war noch angenehm kühl von der Nacht. Es sollte der letzte Schatten für die nächsten drei Tage sein.



Unmittelbar nach der Pause setzt die Windmaschine ein und ich setzte meinen Marsch fort. Meine Route verläuft parallel zum Plateau, das einige Kilometer im Osten verläuft...




und zu einer Dünenkette im Westen.



Heute werde ich ca. 20 km an diesen Dünen, die sich wie Perlen an einer Kette aneinander reihen, entlang wandern.



Fortsetzung folgt
_________________
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.
http://www.wuestenschiff.de
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Alexander




Anmeldedatum: 11.05.2008
Beiträge: 84

BeitragVerfasst am: 28.12.2012, 21:08    Titel:

Während sich im Westen die Dünen aneinander reihen...



...taucht im Osten eine Oase auf. Das erste Anzeichen, dass ich mich fast auf höhe des Bir Kerwein befinde. Ich lasse den grünen Landstrich links liegen und folge weiter meinem Kurs in Richtung Süden.



Der Dünenrigel versperrt mir den Weg. Da ich mir nicht sicher bin, ob ich ihn in nächster Zeit südlich umgehen kann, beschliesse ich, ihn zu überqueren. Eine Entscheidung, die ich nicht bereuhen sollte.





Sonne, Sand, Wind und mangelnde Hygiene verändern mein Äusseres Cool ...



... doch die Entbehrungen sind es Wert. Was ich hier sehe und erlebe ist nicht mit Geld zu bezahlen.





Häufig stosse ich auf Strausseneierschalen. Sie sind einige tausend Jahre alt und erstaunlich gut erhalten. Ich wundere mich, warum sie immer noch hier liegen und sie der Sand nicht schon längst unter sich begraben hat.




Der Tag neigt sich dem Ende zu und mein Tagespensum ist geschafft. Es wird Zeit, sich ein Sandbett zu suchen. Auswahl habe ich mehr als genug. Wink




Am nächsten Morgen kreuze ich eine Teerstrasse, die löchrig ist, wie ein Schweizer Käse. In diese Richtung führt sie zum Bir Kerwein, einem Gebiet, in der mitten in der Wüste Landwirtschaft betrieben wird.



Fährt man hier entlang, erreicht man irgendwann Farafra, eine Oasenstadt.




Minimalismus auf hohem Niveau.



Fortsetzung folgt
_________________
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.
http://www.wuestenschiff.de
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Alexander




Anmeldedatum: 11.05.2008
Beiträge: 84

BeitragVerfasst am: 28.12.2012, 21:09    Titel:

Die Wüstennächte werden immer kälter. 8 Grad zeigt das Termometer in der Nacht. Um 4:15 überwinde ich mich und verlasse den warmen Schlafsack. Der Winter, den es natürlich auch in der Wüste gibt, kommt immer näher.
Das dritte Wasserversteck liegt in 25 Kilometer Entfernung. Ich möchte es heute Abend noch erreichen. Damit spare ich mir etwas Zeit, da ich am Abend sowieso nichts Anderes zu tun habe.

Nicht immer gibt es Schatten in der Wüste und schon gar nicht, wenn es Mittags am heissesten wird. In diesen Fällen muss man selbst für Sonnenschutz sorgen. Ich stelle meinen Rucksack aufrecht gegen die Sonne. Das bischen Schatten, den der Rucksack wirft ist aber ausreichend für eine kurze Pause.



Die Dünenketten werden durch Luftspiegelungen unterbrochen. Es entsteht der Eindruck, dass einzelne Dünen am Horizont stehen.





Eigenartige Spuren, die weder Mensch noch Tier hinterlassen haben können. Sie ziehen sich kilometerweit durch die Wüste. Sie scheinen keinen Anfang und kein Ende zu haben.



Gelegentlich stosse ich auf wirkliche Spuren, die nur einer hinterlassen haben kann: ein Wüstenfuchs. Leider suchte auf dieser Reise keiner dieser Wüstenbewohner meine Bekanntschaft.



Das dritte Wasserdepot liegt dieses Mal im Sand vergraben. Ich frage mich, wie es Mohammed geschafft hat, den Kanister im lockeren, immer wieder nachgebenden Sand zu vergraben. Mohammed hat ihn mit einem Steinkreis und einem Holzstock markiert.





Erst jetzt fällt mir auf, dass ich während diesem Tag kaum Fotos geschossen habe. Zu sehr war ich mit mir beschäftigt. Die entzündeten Blasen an meinen Füssen hatten sich verschlechtert. Am Morgen und nach jeder Pause hatten sich die Waden verhärtet und schmerzten. Allerdings immer nur für kurze Zeit, bis ich wieder in Bewegung gekommen war. Nach einer Pause lief ich in den ersten Minuten immer wie auf rohen Eiern. Ausserdem entdecke ich, dass sich eine wichtige Naht an meinem Rucksack auflöst. Die Naht, die quer über den Rucksack verläuft und die mit den oberen Trageriemengurten vernäht ist. Ich habe kein Nähzeug dabei, um den Auflösungserscheinungen Einhalt zu gebieten. Sollte sich die Naht weiter auflösen, habe ich ein Problem.





Direkt an der Wasserstelle errichte ich mein Nachtlager. Da ich ab morgen früh meinem Weg ohne die Unterstützung des Mondlichtes finden muss, lege ich am Abend noch meine Marschrichtung fest. Auch kontrolliere ich das vor mir liegende Gelände, um eventuellen Stolperstellen aus dem Weg gehen zu können. Aber es gibt hier nur Sand, nichts als endlose Sandebenen, sodass ich keine Probleme für morgen erwarte. Heute bewege ich mich keinen Meter mehr und habe nur noch Augen für die Schönheit der Natur.



Fortsetzung folgt
_________________
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.
http://www.wuestenschiff.de
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Alexander




Anmeldedatum: 11.05.2008
Beiträge: 84

BeitragVerfasst am: 28.12.2012, 21:09    Titel:

Verfolgt

Bei einer Wüstenwanderung durch die Wüste ist es unvermeidbar, dass man Spuren hinterlässt. Spuren, die schnell wieder vom Wind verweht werden, oder Spuren, die man noch lange Zeit später erkennen kann. Auch ich hinterlasse Spuren. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich aber noch nicht, dass jemand meinen Spuren folgte. Shocked



13 Tage später stößt Maja auf meine Spuren, die zufällig im gleichen Gebiet unterwegs ist. Was Maja mit einigen Fotos dokumentiert ist unglaublich. Nicht nur, dass meine Spuren nach 13 Tagen noch deutlich zu sehen sind. Der Wind hatte es offensichtlich nicht geschafft, den groben Sand über meine Abdrücke zu wehen. Neben meiner Spur verläuft exakt eine zweite Spur. Ein Fuchs war genau meiner Fährte gefolgt. Offensichtlich hatte er gehofft, dass etwas für ihn abfällt. War der Fuchs mir gefolgt, ohne dass ich es bemerkt hatte, oder war er erst Tage später auf meine Spur gestossen? Ich werde es wohl nie erfahren.





Fortsetzung folgt
_________________
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.
http://www.wuestenschiff.de
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Alexander




Anmeldedatum: 11.05.2008
Beiträge: 84

BeitragVerfasst am: 28.12.2012, 21:10    Titel:

Aufgabegedanken

Am nächsten Tag entdecke ich den Verursacher der eigenartigen Spuren. Der Wüstenwind treibt einen alten Ast durch den Sand und hinterlässt dabei die ungewöhnlichen Abdrücke.



Eine Fatamorgana täuscht das Vorhandensein eines Sees vor. Wie vielen Verirrten wurde das schon zum Verhängnis?



Der graublaue Himmel, grelles Licht und vom Wind aufgewirbelter Staub lassen die Konturen am Horizont verschwimmen. Himmel und Wüste scheinen nahtlos ineinander überzugehen.





Am Nachmittag geschieht das, was ich schon befürchtet hatte. Die Naht des Rucksacks löst sich auf und einer der Träger reisst aus der Naht. Was kann ich tun? Der defekte Rucksack, die schmerzenden Füsse, die verhärteten Waden, der geschundene Rücken. Habe ich mich mit der Tour übernommen? Ist das Ganze einfach zu viel für mich und meinen Körper? Wäre es nicht besser einen Schlussstrich zu ziehen und aufzugeben? Ich hatte doch schon genügend gesehen. Über 160 Kilometer war ich schon gelaufen. Sollte es nicht genug sein? Ich sitze da, vertieft in meine Gedanken. Schliesslich rüttle ich mich selber wieder wach. Überlege in aller Ruhe, was zu tun ist.

Ich erinnere mich an ein Stück Holz, dass ich aus einer Oase mitgenommen hatte. Könnte ich damit den Rucksack wieder reparieren? Wenn ich an dem steifen Falz, durch den die Naht verlief, oben und unten mit dem Messer einen Schlitz schneide und da den Trageriemen hindurchführe, zwischen Falz und Trageriemen das Stück Holz, quasi als Widerstand bzw. Halterung klemme, sollte es doch funktionieren. Einen Versuch ist es Wert. Ich schneide mit dem Messer die beiden Schlitze und versuche den Tragegurt durch die Schlitze zu stecken. Der Gurt ist zu weich und der Rucksack besteht an der Stelle, an der ich die Schlitze angebracht habe aus zu vielen Lagen. Also helfe ich mit der Messerspitze nach und schiebe den Gurt durch die Schlitze. Bingo, geschafft. Jetzt lege ich das Holzstück auf die Innenseite des Rucksacks, wickle den Tragegurt darum, stecke ihn wieder durch den anderen Schlitz und verknote den Gurt. Nun der Test. Ich packe alles wieder in den Rucksack und werfe ihn mir auf den Rücken. Ich rüttle und schüttle den Rucksack. Gurt, Knoten, Schlitze und Holzstück halten. Eine geglückte Operation Cool Die Stimmung steigt wieder. Smile Jetzt die Füsse. Ich ziehe die Socken aus. Die Blasen an der Sohle und an den Zehen waren fast verheilt. Es hatte sich bereits eine harte Hornhaut gebildet. Aber die Fersen. Sie waren offen und entzündet. Die Pflaster, die ich schon einige Tage nicht mehr gewechselt hatte, waren verrutscht. Ich bringe neue Pflaster an. Ausserdem stelle ich Polster aus Toilettenpapier her und lege sie um die Fersen. Vorsichtig schiebe ich den ersten Socken darüber, dann den zweiten und den dritten musste ich erneuern, da er bereits vollkommen durchgescheuert war. Die Füsse fühlen sich jetzt um ein vielfaches besser an.



Zufrieden mit den heutigen Tag und dem, was ich erreicht hatte, breitete ich mich auf meinem Nachtlager aus. Ich hatte meine Motivation zurück gewonnen.




Fortsetzung folgt
_________________
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.
http://www.wuestenschiff.de
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Ägypten Forum -> Reiseberichte Ägypten Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Gehe zu Seite 1, 2, 3  Weiter
Seite 1 von 3


Urlaub in Ägypten
    Ausflüge in Ägypten ab Hurghada, Luxor, Sharm El Sheikh oder Kairo    


 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Thema Autor Forum Antworten Verfasst am
Keine neuen Beiträge Ägypten erhöht Sicherheit auf den Flu... maherba News über Ägypten 0 24.08.2017, 13:32 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge i Gepäck nach Ägypten Caroline Off-Topic - Dies und Das 2 17.07.2017, 01:34 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Nicht immer Ägypten - wohin kann es n... Hairo Off-Topic - Dies und Das 2 07.07.2017, 21:31 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Der Papst in Ägypten nagi News über Ägypten 0 29.04.2017, 10:25 Letzten Beitrag anzeigen
Keine neuen Beiträge Ägypten im TV flori News über Ägypten 0 22.04.2017, 15:33 Letzten Beitrag anzeigen






Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group
Deutsche Übersetzung von phpBB.de , optimiert mit SEO phpBB | commvote.de
Wir empfehlen Ihnen TUIfly.com,
Home   Flüge    Hotels    Mietwagen    Nilkreuzfahrten    Reiseangebote   Partner   Sprachkurs Ägyptisch   Pauschalreisen
Forum Ägypten
2006 © Copyright Aegypten-Urlauber.de. All rights Reserved.  Impressum
Thema: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Paradies