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nagi
Anmeldedatum: 29.06.2008 Beiträge: 1878
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Nach den starken Demonstrationen vom Freitag 30. Sep. auf dem Tahrirplatz in Kairo und in anderen Plätzen des Landes, und nach dem alle politische Parteien zum Boykottieren der Parlamentswahlen Ende November aufgerufen haben, hat der Generalstabschef Anan alle zur Gesprächen eingeladen. Ergebnisse der Gespräche waren echt positive und sehr zufriedenstellend. Die Vereinbarungen stellen die Weichen für eine Art Demokratie in Ägypten.
Natürlich wird es in Ägypten keine Demokratie "deutscher Art" geben, die hat den Deutschen Millionen Menschenleben gekostet, aber eine Demokratie der "ägyptischen Art" doch schon. Der Militärrat, regierende Macht in Ägypten, muss auf die Mamuluken im Land achten, das heißt eine Demokratie – Schock darf es in Ägypten nicht werden. Freiheit und Menschenrecht ja, aber bitte nicht zuviel davon und in begrenzten Mengen. Deshalb die Verzögerung. Hier muss man auf die ausländischen Berater des Rates aufmerksam werden, gerade die aus Deutschland.
Die Mamuluken sind eine Sklavendynastie, die in Ägypten von 1250 bis 1517 n.Ch. geherrscht haben. Sie waren Söldner, hat man damals aus den türkischen Gebieten Asiens eingekauft, um in die ägyptische Armee einzusetzen. Einer von ihnen "Aibak" gelang es durch Vermählung mit der ägyptischen Königen "Shagarat Aldurr" den Thron in Ägypten zu besteigen, und seit dem bis zum osmanischen Einmarsch in Ägypten 1517 herrschten die Sklaven über Ägypten. Sie haben einander immer beneidet und viel Hass gegen einander gehabt, ihnen war es bewusst, dass sie nicht nur Fremden sind, sondern Sklaven sogar. Sie könnten deswegen sich selbst und den einheimischen Ägyptern nicht vertrauen. Meistens blieb der mamulukische König ein oder 2 Jahre an der Macht, vielleicht 5 Jahre, dann wurde er durch seine Kollegen umgebracht oder abgesetzt und gefangen genommen. Noch haben die Mamuluken den ganzen Reichtum des Landes über sich verteilt. Der Mamuluk war berechtigt, das ganze Dorf mit samt Menschen und Tiere in seinem Besitz zu halten. Die Ägypter haben bluten müssen für ein Stück Brot.
Diese Denk -und Handlungsweise der Mamuluken blieb in Ägypten bis zum Jahr 1805, als ein albanischer Soldat, Mohammad Ali, vom Volk als Emir über Ägypten frei gewählt wurde. Mohammad Ali wollte den Mamuluken ein Ende setzen und hat 400 Männer, die Mächtigsten von ihnen in einer Aktion umgebracht. 400 Paschas hat Mohammad Ali in einer Nacht getötet, und nur so könnte er 40 Jahre lang über Ägypten ganz allein herrschen.
Die Mamuluken - Kultur hat sich nach kurzer Zeit, und selbst durch die Nachfahren Mohammad Alis wieder eingeschlichen und im Land einheimisch geworden. 1952 starte Nasser zusammen mit den Offizieren noch Mal einen Versuch. Er reservierte 50 % der Parlamentssitze für Bauern und Arbeiter und verankerte diese Teilung in der Verfassung, was bis heute noch gilt. Er verteilte Ländereien und verstaatliche Firmen und Reichtümer. Sein Freund und Wegbegleiter Sadat, der nach ihm die Macht übernommen hat, hat die Hand der Mamuluken übers Land wieder etwas gelockert, Mubarak gab ihnen alle Freiheiten, so dass etwa 100 Familien über Macht und Reichtum im Land verfügt haben. Mubarak verkaufte die Firmen wieder, gab Ländereien wieder zurück und verarmte Land und Mensch zugunsten der Mamulukenkinder. Das obwohl Nasser, Sadat und Mubarak von armen, ägyptischen Familien stammen. Hier kann man klar erkennen, wie befestigt die mamulukische Kultur in Ägypten ist, und wie mächtig die Mamulukenkinder noch heute sind.
Heute, und nach der Revolution vom 25. Januar starteten die Ägypter noch ein dritter Versuch, diese Mamuluken ein Ende zu setzen, was sich sehr schwierig, fast unmöglich gestalten wird. Mitglieder des Militärrats gehören zur Familie, und wissen ganz genau, wie die "Demokratie für Ägypten" bedeuten kann. Kann man die obersten 100 Familien die Demokratie erlernen und sie dazu bewegen die freie Entscheidung der Menschen "zu akzeptieren? Dieses müssen Mamuluken zustimmen oder eben das Land verlassen. Die Ägypter sagen "der dritte Versuch gelingt immer".
Gruß
Nagi _________________ wir konzentrieren uns auf gemeinsamkeiten, und entschuldigen uns gegenseitig für verschiedenheiten. Nagi. www.kairo-in.de |
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Aegypten Urlauber
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nagi
Anmeldedatum: 29.06.2008 Beiträge: 1878
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| Zitat: |
| Mitglieder des Militärrats gehören zur Familie |
Und nach der letzten Fortsetzung der Revolution vom Januar, die am letzten Samstag 19. Nov. gestartet war, die auch 42 Tote u. über 3000 Verletzten gefordert hat, wählte der Militärrat einen 78 jährigen Namens Ganzory, zum Regierungschef, einen Wegbegleiter und Freund der Mitglieder des Rates, einen früheren Regierungschef des Mubaraks Systems. Man denkt gerade, diese Leute sind blind oder tun so als ob sie blind wären. Klar wird der genannter Regierungschef von allen Revolutionären abgelehnt, ist doch klar. Warum hält der regierende Militärrat an den Alten fest, versteht man hier nicht. Ich glaube, es wird nicht lange dauern, bis der Militärrat selbst abgesetzt wird!!!! dann beginnt die Abrechnung von vorne wieder neue...
Gruß
Nagi _________________ wir konzentrieren uns auf gemeinsamkeiten, und entschuldigen uns gegenseitig für verschiedenheiten. Nagi. www.kairo-in.de |
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Babutzi

Anmeldedatum: 24.07.2009 Beiträge: 912
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Ich glaube kaum, dass der Militärrat unblutig abgesetzt werden kann, nagi. Da kann man nur Daumen drücken, dass es glimpflich abgeht. Der Militärrat wird nicht freiwillig gehen und die Leute, die von ihm eingesetzt werden als Regierungschef etc. werden ihn auch nicht absetzen. Also, wer dann? _________________ Jeder Mensch ist Ausländer; fast überall auf der Welt. |
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Littleburni

Anmeldedatum: 25.10.2011 Beiträge: 1442 Wohnort: Bei Alfeld im Wald
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Der Militärrat hat doch schon gesagt, dass er Mitte 2012 geht. Ach nee, eigentlich wollte er ja schon Mitte diesen Jahres gehen...
Also aller aller aller spätestens dann, wenn eine Partei als Sieger feststeht, oder besser noch eine Koalition und es auch einen Präsidenten gibt, werden die Volksvertreter doch sagen: "Vielen Dank Militär, dass ihr euch bemüht habt, in der Übergangszeit das Land zu stabilisieren, aber jetzt sind wir da. Geht zurück in die Wüste in eure Kasernen. Wir kommen jetzt ohne euch klar."
Das wär doch schön, oder? _________________ Als deutscher Tourist im Ausland steht man vor der Frage, ob man sich anständig benehmen muß oder ob schon deutsche Touristen dagewesen sind (Kurt Tucholsky) |
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